Perugia

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Perugia ist die Hauptstadt der Region Umbrien in Italien und der Provinz Perugia. Sie hat 162.362 Einwohner (Stand 31. Dezember 2022).

Geschichte

„Die Etrusker in Perugia“, 1867-1869, Museum der Akademie der Schönen Künste, Perugia.
Antike
Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet des heutigen Perugia, dessen antiker lateinischer Name Perusia lautete, bereits zur Zeit der frühen eisenzeitlichen Villanovakultur im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war. Seit der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. scheint es eine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht zu haben.[2] Der antiken Sage zufolge hätten entweder Achaier[3] oder der Etrusker Aulestes[4] die Stadt gegründet, doch kommt eine griechische Gründung den archäologischen Untersuchungen zufolge nicht in Frage.[5] Die auf einem markanten Hügel (493 m) über der Ebene gelegene Stadt dürfte ursprünglich eine Siedlung der Umbrer gewesen sein und weist erst seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. einen spezifisch etruskischen Charakter auf.[5] Ihr etruskischer Name war Perusna. Sie gehörte zu den zwölf mächtigsten etruskischen Städten und zum Zwölfstädtebund.[6] Die antike Stadt Arna ist heute ein östlicher Ortsteil.

In den antiken literarischen Quellen taucht Perusia erstmals 310 v. Chr. auf. Demnach belagerten in diesem Jahr die Etrusker die mit Rom verbündete Stadt Sutrium, woraufhin sich der römische Konsul Quintus Fabius Maximus Rullianus angesichts der feindlichen Übermacht entschloss, die Etrusker durch eine Diversion zur Aufhebung jener Belagerung zu zwingen. Zu diesem Zweck marschierte er mit seinem Heer unversehens in das viele Jahre von Krieg verschont gebliebene Mitteletrurien ein und schlug unweit der Siedlung eine etruskische Streitmacht, so dass sich Perusia sowie die Städte Cortona und Arretium zu einem dreißigjährigen Waffenstillstand verpflichten mussten.[7] Trotzdem nahm Perusia bald darauf am Dritten Samnitenkrieg gegen Rom teil. Nach dem Sieg der römischen Truppen über die Etrusker in der Schlacht von Sentinum 295 v. Chr. verlor ein Heer der Perusiner erneut ein Gefecht gegen Fabius Rullianus,[8] wonach die Stadt an die Römer fiel. Diese errichteten einen 2,9 km langen Befestigungsring um die Stadt. Perusia blieb aber volkreich und prosperierend und hielt den Römern im Zweiten Punischen Krieg die Treue. So verteidigte eine aus Perusia stammende Kohorte 216 v. Chr. zusammen mit Praenestinern die in Kampanien gelegene Stadt Casilinum gegen Hannibal.[9] Ferner erhielt Publius Cornelius Scipio Africanus 205 v. Chr. von Perusia Holz und Getreide für seine von ihm beabsichtige Expedition nach Nordafrika.[10]

Anscheinend wurde Perusia nach dem von 91 bis 88 v. Chr. dauernden Bundesgenossenkrieg das römische Bürgerrecht verliehen. Es besaß den Status eines Municipiums und einen eigenen Senat, aber wohl kein eigenes Münzwesen.[11] Im Perusinischen Krieg (Winter 41/40 v. Chr.) verschanzte sich dort der gegen Octavian (den späteren Kaiser Augustus) kämpfende Konsul Lucius Antonius, der Bruder des Triumvirn Marcus Antonius. In der eng von Octavian und seinen Generälen eingeschlossenen Stadt brach eine so furchtbare Hungersnot aus, dass der perusinische Hunger (fames Perusina) sprichwörtlich wurde. Nach der Kapitulation der Stadt begnadigte Octavian zwar Lucius Antonius und dessen Heer, ließ aber alle Ratsherren Perusias mit Ausnahme eines einzigen hinrichten. Dass er aber über 300 Senatoren und Ritter am 15. März 40 v. Chr., dem Todestag Caesars an einem Altar habe abschlachten lassen, der dem zum Gott erhobenen Verstorbenen erbaut worden war, hält der Althistoriker Jochen Bleicken für unglaubwürdig. Die zur Plünderung freigegebene Stadt brannte nieder und wurde dabei fast vollständig zerstört. Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde oder ungeplant infolge eines vereinzelten Brandfalls – ein vornehmer Perusiner namens Cestius Macedonicus hatte aus Verzweiflung sein Haus angezündet – entstand, war nicht zu eruieren.[12] Später ordnete Augustus den großzügigen Wiederaufbau der Stadt an, und sie erhielt nun den Namen Augusta Perusia. Auch gab der Kaiser ihr eine neue Verfassung, so dass seither Duumvirn als leitende Beamte Perusias fungierten. In der Folgezeit gelangte die Stadt nicht mehr zu ihrem einstigen Glanz. Unter Kaiser Trebonianus Gallus, der von 251 bis 253 regierte, bekam sie immerhin den Status einer Kolonie verliehen.[11] Der genauere Zeitpunkt der Christianisierung Perugias ist nicht bekannt; die Reihenfolge und Amtszeiten der ersten Bischöfe der Stadt sind ebenso unsicher.[13]